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Zwei Schulen in einer? Eine mit zwei Oberstufen!

Abiturfoto Eichendorff-Kolleg 2011Die ersten Kontakte zwischen der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule (ALG) und dem Eichendorff-Kolleg (EK) gestalteten sich eher unspektakulär: die Gesamtschule hatte zu wenig Lehrer, das Kolleg zu viele. So wurden im September 2007 einige Kollegen und eine Kollegin zur ALG teilabgeordnet – nicht ahnend, dass die Pestalozzistr. ab Sommer 2010 in toto ihr neuer Arbeitsplatz  sein würde – und der aller übrigen Lehrkräfte des EK. Man könnte diese auf den ersten Blick etwas komplizierten Verhältnisse als wechselseitige Hilfestellung zweier staatlicher Institutionen interpretieren: Hilfst du mir, dann helfe ich dir, was sicherlich keine schlechte Basis für eine zukünftige Kooperation darstellt. Doch anfangs betrachteten durchaus nicht wenige die Integration des EK in die ALG, bei der es sich eigentlich um die Auflösung einer Schule als selbständiger handelte – weniger als freundliche Hilfe und Aufnahme, denn als feindliche Übernahme. Doch bevor das Atmosphärische ausgelotet werden kann, müssen zuerst die Fakten recherchiert werden: Wie kam es dazu, dass zwei Schulen, die sich jeweils am Rande Geilenkirchens - das EK auf der Hünshover Höhe beim Loherhof, die ALG auf der Bauchemer Höhe - seit zwei Jahrzehnten gegenüber liegen und doch nichts von einander wussten, sich plötzlich so nahe kamen?

Ab dem Jahr 2007 begannen die Schülerzahlen am EK deutlich zurückzugehen und zwar, weil die Zahl der Aussiedler aus der ehemaligen UdSSR drastisch kleiner wurde. Der Zusammenhang ist folgender: das EK ist eine Institution des Landes NW, an der junge Spätaussiedler und auch jüdische Migranten aus Russland, Kasachstan, der Ukraine etc., die in ihren Herkunftsländern die Hochschulzugangsberechtigung durch Besuch einer 11-jährigen Mittelschule erworben haben, sozusagen die deutsche Bestätigung dieses Bildungsabschlusses erwerben können. Der Ausbildungsgang setzt einen sechsmonatigen Deutsch-Intensiv-Sprachkurs voraus, dauert 2 Jahre (damit die bisher 13 Jahre der deutschen Schulzeit bis zum Abitur absolviert werden) und schließt ab mit einer Abiturprüfung nach der APO-SpA (Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Spätaussiedler), der einzigen, die nicht Teil des Zentralabiturs in NW ist, sondern von dem Kollegium des EK vorbereitet und durchgeführt wird. Zurück zum Ausgangspunkt: lagen über lange Jahre – genauer gesagt seit 1974 in Geilenkirchen – die Schülerzahlen des EK immer über 400, so reduzierte sich die Zahl zwischen 2007 und 2009 von 287 auf  107 mit weiter abnehmender Tendenz. Im Schuljahr 2010/11 beträgt sie 65. Es lag und liegt auf der Hand, dass mit solchen Zahlen keine selbständige Schule mehr zu führen ist.

Und so suchte die Schule bzw. natürlich das Düsseldorfer Ministerium für Schule und Weiterbildung – aus nachvollziehbaren Kostengründen - eine neue Heimat für das EK. Die genauen Wege und Umstände, die dazu führten, dass die ALG zu dieser neuen Heimat erkoren wurde, sind dem Schreiber dieser Zeilen nicht bekannt. Die relevanten Fakten durchaus: am 08.01.2009 wurde zwischen dem Land NRW und der Stadt Geilenkirchen eine „Öffentlich-rechtliche Vereinbarung“ „über die Weiterführung des Eichendorff-Kollegs“ abgeschlossen mit dem wesentlichen Inhalt, dass Letzteres „ab dem 1. Januar 2010 als Abteilung der städtischen Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen weitergeführt“ wird. Es unterzeichneten der damalige Staatssekretär Günter Winands sowie der damalige Bürgermeister Andreas Borghorst, neben beiden wird auch der damalige Schulleiter der ALG Klaus Braun seinen Einfluss und sein Einverständnis hinsichtlich dieses Unternehmens beigetragen haben – vom damaligen Leiter des EK Dr. Heinz Thoelen gibt es keine entsprechenden Hinweise. Und wie vereinbart, so geschah es: seit dem 01.01.2010 firmiert das ehemalige EK als „Abteilung IV Eichendorff-Kolleg“ der ALG. Wirklich vollzogen wurde diese Integration ab dem Schuljahr 2010/2011 mit dem Umzug der Abteilung IV vom Pater-Briers-Weg in die Pestalozzistraße.

Dass diese Institutionenvereinigung ein Erfolg werden würde, konnten die damals Verantwortlichen nicht wissen. Sie überließen es einfach ihren Nachfolgern dafür zu sorgen. Mit dieser Bemerkung ist man am Ende definitiv beim Atmosphärischen angekommen: Nach knapp einem Jahr der schulischen Integration lässt sich mit Freude und einer gewissen Erleichterung feststellen, dass die „Studierenden“ (die Bezeichnung der APO-SpA für die Schülerschaft des EK)  in der ALG wirklich angekommen sind, vor allem weil sie von der gesamten Schule angenommen und herzlich aufgenommen worden sind. Die dargelegte lange Geschichte ist der Grund dafür, dass nunmehr auf den Fluren überraschenderweise auch russischsprachige Konversation nicht mehr erstaunlich wirkt und dass relativ „alte“ Schülerinnen und Schüler jetzt zur ALG gehören.

Ulrich Peinkofer (für die Abteilung IV Eichendorff-Kolleg)