27.01.2026 – Weniger Symbolik, mehr Beistand
Am heutigen Gedenktag habe ich im Deutschlandfunk ein Interview mit einer jüdischen Bürgerin gehört. Sie berichtete von aktuellen Anfeindungen, von diskriminierenden Erfahrungen im Kulturbetrieb und von ihrem Blick auf Gedenkveranstaltungen. Ihre Beobachtung war ernüchternd: Es sei oft leichter, toten jüdischen Menschen zu gedenken, als den Lebenden mitten unter uns beizustehen.
Diese Einschätzung muss uns nachdenklich machen. Jüdisches Leben in Deutschland ist wieder stärker bedroht, Antisemitismus zeigt sich offener und aggressiver. Erinnerung bleibt unverzichtbar, doch sie darf nicht bei Ritualen stehen bleiben.
Aus meiner Sicht braucht es eine Gedenkkultur, die Vergangenheit und Gegenwart zusammendenkt. Wer Solidarität ernst meint, muss sie im Alltag praktizieren: in Sprache, in Verhalten, in klarer Haltung gegen Ausgrenzung und Hass. Symbolik allein schützt niemanden. Anfeindungen verhindern wir nicht, indem wir nur erinnern.
Eine aufgeklärte Erinnerungskultur stärkt die Lebenden und hält die Ermordeten im Gedächtnis. Sie ermöglicht kritische politische Auseinandersetzung, auch mit dem Handeln unserer Freunde in Israel, und sie ordnet die Konflikte des Nahen Ostens reflektiert ein, ohne zu vereinfachen oder zu verklären. Und sie setzt eine eindeutige Grenze: Antisemitismus ist niemals zu rechtfertigen, weder von rechts noch von links.
Ich sage das in voller Überzeugung, auch aus persönlicher Verantwortung: zehn Jahre lang als Sprecher der Initiative „Erinnern“ und heute als Schulleiter einer Schule, die den Namen Anita-Lichtenstein trägt. Dieser Name verpflichtet uns, junge Menschen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu bilden, die Ideologien erkennen und Menschenverachtung entgegentreten.
In der Weihnachtszeit gestaltete das Orchester der ALG gemeinsam mit dem Reuvener Mannenkoor (Niederlande) sowie dem Mandolinenorchester „The Strings“ ein besonderes internationales Weihnachtsorchesterprojekt. Musiker*innen aus verschiedenen Ländern kamen zusammen, um ein festliches und musikalisch hochwertiges Weihnachtskonzert aufzuführen.
